Tatort Wüstenkante - 29. April 2019

Um es vorweg zu nehmen: Nein, es handelte sich nicht um ein neues Lübecker Ermittlerteam, das rein zufällig nach Karmel abkommandiert wurde. Auch wenn der Vorspann und die Titelmelodie der ein oder dem anderen bekannt vorgekommen sein mag, so war doch sehr schnell klar, schon beim Klang der Schofar, dass der Fall in der Wüste Juda spielte und zwar schon vor bummelig 3000 Jahren.

Die Bibliothek der Evangelisch-Reformierten Gemeinde zu Lübeck war brechend voll. Das Team, das diesen Tatort der anderen Art gestaltete, nahm die Zuschauenden und Hörenden mit in die Vergangenheit und entfaltete einen äußerst mysteriösen Fall. Nabal, ein sehr vermögender, aber hartherziger und aufbrausender Besitzer riesiger Schafsherden wurde nach einem rauschenden Fest anlässlich der Schafschur tot aufgefunden.

Als erfahrener Tatortgucker weiß man eigentlich genau, dass der Täter immer aus dem familiären Umfeld kommt oder der Rivale ist, logisch. So auch hier: Nabals Ehefrau, Abigajil, ist nicht nur bildschön, sondern auch noch ausgesprochen klug; hat sie ihren Mann satt gehabt, der nunmal auch nicht die hellste Kerze auf der Torte war (Nabal heißt übersetzt „Dummkopf“) und wollte an das Vermögen?

Und dann ist da noch David, Chef einer Horde wilder Kerle, die Nabals Herde während der Weidezeit Schutz gegeben hatten, so dass nicht ein Schaf verloren ging. Sieht David sich von Nabal um seinen Lohn betrogen? Oder handelt es sich um Schutzgelderpressung seiner Bande von Outlaws? Und, ganz wichtig, was läuft da zwischen Abigajil und David?

Die Ermittlungen sind schwierig und jeder weiß noch was und hat noch was gesehen, sogar viele der Zuschauenden sind auf einmal mitten in der Geschichte drin und können was zur Klärung beitragen oder zur allgemeinen Verunsicherung.

An dramaturgischen Wendepunkten, Orts- und Zeitwechseln, setzt die Instrumentalmusik ein und begleitet das Nachdenken und Mitfiebern. Und schließlich wird der Fall ja auch gelöst. Abspann: Sie sahen!

Ich jedenfalls sah einen sehr kurzweiligen, spannenden wie lustigen „Tatort“, der nach Fortsetzung schreit. Werde gleich noch meine Bewerbung an das jüdische Kriminalamt schicken. Ach ja, die Lösung des Falls steht ausführlich in 1. Samuel 25.

Bernd Mehrwald

Zurück